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In Moskau und Kiew war ich ja nun schon oft genug, wie man
hier und auch
hier
sehen kann. Aber ich war noch nie in Lemberg oder sonst irgendwo in der Westukraine. Denn das liegt
schon so weit westlich, daß man von Kiew aus einen Tag mit Bus oder Zug unterwegs ist,
so daß sich ein Flug nach Kiew eigentlich nicht lohnt. Auch das andere Land dazwischen
- Polen - hatte ich noch nie betreten. So kam die Idee zustande zunächst mit der neuen
Linie von GermanWings von Stuttgart nach Krakau zu fliegen und von dort mit Bus oder Zug weiter
zu reisen.
An schönen Sommertagen wimmelt es in Krakau heutzutage von Touristen aus Britannien,
Frankreich und Italien, nicht zuletzt dank der Billigfluglinien, die Krakau als sehenwertes
Ziel für Städtereisen ausgemacht haben. Manche britische Kampftrinker haben
ihre Flugkosten aufgrund der astronomischen Bierpreise in ihrer Heimat schon wenige Stunden nach Ankunft ausgeglichen.
Die Deutschen sind noch nicht so häufig.
Leider wimmelt es auch von Dönerbuden, während man im historischen Stadtkern
kaum noch eine so schöne polnische Bratwurst bekommt wie diese hier.
Nach 3 Tagen in Krakau stieg ich am Sonntag morgen in einen Bus nach Sandomierz ein, eine
Kleinstadt in Südostpolen, die in früheren Zeiten größere Bedeutung hatte. Von Sandomierz ging es
über den Fernbusknoten Tarnobrzeg weiter nach Zamość in Ostpolen mit seinem
bemerkenswerten Marktplatz, ein Kleinod aus dem 17-ten Jahrhundert, das viel zu wenig bekannt ist.
Vom nahen Tomaszów-Lubelski aus fahren alte Klapperbusse, also eine Klasse schlechter als innerhalb Polens
üblich, mit ein paar ukrainischen Haushaltshilfen und polnischen Wurstschmugglern über die ukrainische
Grenze nach Ruska. Während man auf der polnischen Seite viele große mehrstöckige gut gebaute
Privathäuser sieht, vermutlich oft in Eigenbau, so stößt man direkt hinter der Grenze auf eine
riesige Kluft zu Polen. Mit ein wenig Phantasie fühlt man sich mitten in einem Roman von Joseph Roth aus
dem habsburgischen Galizien. Feder- und Borstenvieh laufen quer über die unbefestigte Trasse, und man
sieht Szenen wie: Bauer bearbeitet die Scholle mit der Sense, beobachtet vom Storch aus 10m Entfernung.
Je näher man dann an den Großraum Lwiw (Lemberg) herankommt, desto eher sieht wieder alles normal aus.
In Lwiw, der Metropole der Westukraine, spricht man anders als in Kiew tatsächlich durchweg ukrainisch und
nicht russisch. Am interessantesten finde ich die Häuser aus k.u.k.-Zeiten rund um den alten
Lemberger Marktplatz.
In Kiew ist der Klosterbezirk der Pecherska Lavra so wunderschön wie immer.
Aber wo im Jahre 2000 in der Nähe der Basseina-Straße noch eine scheußliche Sammlung von
Abbruchhäusern stand, hatte man in der Zwischenzeit ein Entertainment-Center
für den Euro-Song-Contest gebaut.
Nach ein paar Tagen in Kiew ging es weiter mit dem Zug. Moskau war dann der Höhepunkt
und ein würdiger Abschluß der Zwei-Wochen-Reise.
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