Vasco da GamaEntdecker des Seeweges nach Indien
* um 1469 in Sines an der portugiesischen Atlantikküste
+ 24.Dez. 1524 in Cochin, Südwest-Indien
Über das Leben des jungen Vasco ist wenig bekannt. Er kam wohl im Jahre 1469
als Sohn des Gouverneurs von Sines (sprich: Sinsch) zur Welt. Als junger Bursche nahm er an einem
Feldzug gegen Spanien teil. Sehr früh hatte er sich den Ruf eines ausgezeichneten
Seemanns und Kapitäns erworben. So wurde nicht etwa Bartolomeu Dias, der schon
um die Jahreswende 1487/88 als erster Europäer die Südspitze Afrikas
umsegelt hatte, als Befehlshaber für die Erkundung des letzten Teils der
Gewürzroute, des Seeweges nach Indien, ausgewählt, sondern der erst
28-jährige Vasco da Gama.
Ein gewisser Cristoforo Colombo aus Genua hatte den Seeweg nach
Indien ja angeblich schon ein paar Jahre zuvor für die spanische Krone gefunden.
Er hatte die Angst überwunden, daß er am westlichen Rand der Erdscheibe
hinunterfallen könnte, und hatte im Gegensatz zu den Portugiesen mutig den Weg direkt
nach Westen genommen.
Aber die Portugiesen hatten da so ihre Zweifel, zumal die spanischen Schiffe weder
Pfeffer, noch sonst irgendetwas Wertvolles mitbrachten.
So setzten die Portugiesen weiterhin auf ihre Südroute um Afrika herum, die
sie schon seit fast 80 Jahren erforschten.
Am 8.Juli 1497 stach Vasco mit vier Schiffen in See, ausgerüstet von König
Manuel I., und erreichte am 4.November die Sankt-Helena-Bucht im Westen
Südafrikas. Danach umfuhr er das Kap der Guten Hoffnung, erreichte am 25.November
die Mosselbai und taufte an Weihnachten das Land nördlich von Durban auf den
Namen Natal (= portugiesisch für Weihnachten). Am 7.April 1498 kam er in
Mombasa an, wo er zum ersten, aber nicht zum letzten Mal auf arabischen Widerstand
stoßen sollte. Zum Schutz ihres Handelsmonopols versuchten die Araber seine Weiterreise zu
verhindern. Daraufhin segelte er weiter ins nahe Malindi, ebenfalls im heutigen Kenya
gelegen. Die Stadt Malindi stand in Konkurrenz zu Mombasa. Deren Sultan
gab ihm einen Lotsen für die Weiterfahrt nach Indien mit. So erreichte er am
20.Mai die Stadt Calicut an der Malabarküste, der Westküste Indiens.
Er schloß einen Handelsvertrag mit König Samudrin von Calicut und kaufte von
den in Europa so unermeßlich teuren Gewürzen so viel ein, wie seine Schiffe
tragen konnten. Am 8.Oktober 1498 begann die Rückreise und am 10.Juli 1499 erreichte
das erste der vier Schiffe Lissabon.
Allerdings hatten von 170 Seeleuten nur 55 die Reise überlebt. Die Mehrheit war an
Skorbut und anderen Infektionskrankheiten gestorben. Vasco selbst traf erst am 9.September
in Lissabon ein, weil er wegen seines ebenfalls an Skorbut erkrankten Bruders einige Wochen
auf den Azoren geblieben war. Vasco wurde zum Grafen von Vidigueira und zum Admiral der
Indischen Meere ernannt.
Die Reise hatte dem König ungeheuren Gewinn gebracht. Der Erlös der Gewürze
übertraf die Kosten für Schiffe, Ausrüstung und Mannschaften um das
60-fache ! Außerdem war mit den Arabern noch eine Rechnung offen. Denn diese
hatten in Indien die ganz vorteilhaften Verträge mit den Gewürzlieferanten
verhindert.
So kam es schnell zu weiteren Expeditionen Richtung Indien. Die zweite wurde von
Pedro Alvares Cabral geleitet, der allerdings ein wenig
vom Weg abkam und so im Jahre 1500 Brasilien entdeckte. Die dritte Reise im Jahre 1501
stand unter dem Kommando von João da Nova. Bei der vierten Reise aber war wieder
Vasco an der Reihe. Dieses Mal mit 21 schwer bewaffneten Schiffen. Abfahrt 1502,
Rückkehr 1504. Er legte in Ostafrika Stützpunkte an und schoß allen
arabischen Widerstand kompromißlos zusammen. Dieses Mal konnte er seinen Handelspartnern
in Indien das Exklusivrecht für den Gewürzhandel mit Europa abtrotzen. So war die
Landroute, die jahrhundertelang von den Arabern und Venezianern dominiert wurde, ausgebootet
und der Grundstein für Portugals Hegemonie als Seemacht im Indischen Ozean und Portugals
Besitzungen in Asien gelegt (Goa, Timor, Macau etc.....).
Nach seiner Rückkehr wurde Vasco von König Manuel in den Christusorden
aufgenommen. Er zog sich auf seine Besitzungen in Portugal zurück und konnte viele
Jahre seinen Reichtum genießen. Durch seine Beteiligung an den Handelsverträgen
war Vasco zu einem der reichsten Männer seiner Zeit geworden.
1524 wurde er reaktiviert. Zum Vizekönig ernannt mußte er wieder
nach Indien, dieses Mal zwecks Niederschlagung von Unruhen. An Heiligabend 1524 wurde er
in Cochin, Südwest-Indien, im Rahmen eines Konfliktes mit einem feindlichen portugiesischen
Statthalter ermordet. Seine sterblichen Überreste wurden später nach Portugal
überführt. Laut Reiseführer steht sein Sarkopharg im
Hieronymus-Kloster. Allerdings ist auch auf diesem Marmorsarg hier
in der Kirche Santa Engracia im Zentrum Lissabons unübersehbar sein Name zu lesen.
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